Wolfgang Herrndorf: In Plüschgewittern

In Plüschgewittern
von Wolfgang Herrndorf

Rowohlt Verlag; 192 Seiten
Gegenwartsliteratur

Handlung

Ein Mann, um die dreißig, sucht sein Glück in Berlin. Doch dort findet er nur all zu Melancholisches: Altbau-Partys, Arbeitslosigkeit, Verzweiflung, Gleichgültigkeit. Er verliebt sich, aber auch Verliebtsein kann zur Last werden. Zynisch kommentiert der Erzähler den grauen Großstadt-Alltag, denn er zumeist nur betrunken durchstehen kann.

Meinung

Von Wolfgang Herrndorf gibt es zu wenig. Viel zu früh gestorben, hinterlässt er der Leserschaft  eine überschaubare Anzahl an Werken. Ich habe zum ersten Mal an der Universität von diesem Autor gehört. Auf die Empfehlung einer Kommilitonin hin, las ich „Bilder deiner großen Liebe“, hangelte mich weiter zu Tschick, las Sand, litt mit ihm in Arbeit und Struktur und so weiter. Herrndorf ist ein Autor, der mit wenigen Mitteln seinen Leser gefangen hält. Sein linearer Erzählstil wirkt auf den ersten Blick durchaus einfach und schnörkellos, fast schon langweilig. Aber er erzählt mit einem amüsanten Zynismus und trifft den Nagel immer wieder auf den Kopf. In seinen Texten schwingt stets eine gute Mischung aus Humor und Melancholie mit. Nach dem Beenden eines Herrndorf-Romans ist man immer ein bisschen traurig und steht einem Nichts gegenüber, auch wenn man während des Romans herzlich hat lachen dürfen. Eine grandiose Mischung.

So auch bei „In Plüschgewittern“. Der Protagonist, dessen Name nicht fällt, tingelt nach einer Trennung nach Hamburg in das Haus seines Bruders, von dort weiter nach Berlin zu seinem schwulen besten Freund. Er trifft auf echte Großstadt-Unikate, treibt sich auf Partys herum und zu seinem Unglück verliebt er sich. Schonungslos zeigt Herrndorf den Alltag einer kalten Welt auf, in der alles irgendwie egal sein kann. Den Leser befällt  bei der Lektüre eine gewisse Schwermut, bekommt man doch relativ unverhohlen vor die Nase gesetzt, was man eigentlich nicht zwingend wahrhaben will.

Wer einen Spannungsbogen sucht, ist bei Herrndorf eher schlecht beraten. Dieser Roman hat es nicht zum Ziel, Spannung aufzubauen oder den Leser durch Thrill zu packen. Viel eher zeigt er das Panorama eines heimatlosen Mannes auf. Zeigt, wie das Leben manchmal spielt. Dass man es eben doch mit Antihelden zu tun hat, jedoch weder schwarz noch weiß. Ein wenig wirr, ein wenig eigen, ganz viel Realität – In Plüschgewittern ist als Debüt des Autors ein Meisterstück. Für jene, die an deutscher Gegenwartsliteratur interessiert sind, ein absolutes Muss.

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Gemeinsam Lesen 17/17

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese zum einen Wolfgang Herrndorf: In Plüschgewittern und bin auf Seite 33. Und dann lese ich als eBook Jussi Adler Olsen: Takeover. Dort bin ich bei 10%.

 

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?
„Schwul, schwul“, sagte Malte immer. (In Plüschgewittern)

 „Thomas!“ So andächtig wie der große Mann seinen schweren Leib durch den engen Flur bugsierte, hatte er offenbar nicht bemerkt, dass Peter ihn schon zum zweiten Mal gerufen hatte.(Takeover)

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

Bei beiden habe ich erst zu lesen angefangen und kann daher noch wenig sagen. Beide Bücher fesseln jedoch von der ersten Minute an und wirken weder langatmig, noch schlecht zu lesen. Ich bin daher sehr guter Dinge.

4. Sparst du einen gewissen Betrag für jedes gelesene Buch, um dir davon neue Bücher zu kaufen? Oder hast du darüber zumindest schonmal nachgedacht?
Die Idee finde ich sehr niedlich, würde bei mir aber kaum etwas bringen, da ich – hochgerechnet – ein- oder zweimal im Jahr ein Buch kaufe. Den Rest leihe ich mir aus der Bücherei. Daher gebe ich kaum Geld für Bücher aus und sehe daher auch keinen Sinn darin, für Bücher zu sparen 😀
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