John Green: Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Das Schicksal ist ein mieser Verräter
von John Green
288 Seiten
Carl Hanser Verlag

Inhalt

Die 16-jährige Hazel hat Krebs, unheilbar. Sie sieht sich selbst als Bombe, die alle um sich herum mit ins Verderben ziehen wird wenn sie stirbt. Nur widerwillig nimmt sie an einer Selbsthilfegruppe für krebskranke Kinder teil. Dort lernt sie Gus kennen. Augustus geht weitaus offensiver mit seiner Krankheit um, die er vor einem Jahr mit der Amputation seines Beines besiegte. Er ist es auch, der Hazel ihren großen Wunsch erfüllt: gemeinsam fliegen sie nach Amsterdam und besuchen Hazels Lieblingsautor. Doch die Bombe tickt.

Meinung

Ein „Krebs-Buch“. Ehrlich gesagt das letzte, was ich gebrauchen kann. Diese Krankheit geht mir sehr nahe, da ich – wenn auch nur als Angehörige – direkt betroffen bin; mehrfach. Krebs ist ein ganz mieses Arschlich. Und deswegen habe ich mich auch lange gescheut, dieses Buch zu lesen. Ich hatte Angst, dass es mich triggern  und bei mir ein Tief auslösen würde. John Green schreibt jedoch so aufmunternd, lustig und tröstlich, dass ich mit einem sehr positiven Gefühl aus der Lektüre heraus gehe. Die Geschichte ist wahnsinnig traurig, natürlich. Aber dem Autor ist es mit seinem angenehmen Erzähl- und Schreibstil gelungen, etwas sehr Positives aus diesem so schwierigen Thema zu machen. Ein wirklich unfassbar gelungenes Buch, dass ich so auch uneingeschränkt weiter empfehlen kann. Auch wenn ich Hypes um Bücher nicht mag, dieser war bzw. ist nicht ganz unberechtigt.

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Gleichmann, Markus & Bock, Karl: Düsenjäger über dem Walpersberg

Düsenjäger über dem Walpersberg
von Markus Gleichmann und Karl-Heinz Bock
176 Seiten
Heinrich-Jung-Verlagsgesellschaft mbH

Inhalt

Die REIMAHG war ein unterirdisches Flugzeugwerk in Thüringen und wurde von Zwangsarbeitern, HJ und vielen anderen in die Stollen des Walpersberges gebaut. Die Regierung des Dritten Reichs erhoffte sich durch die Produktion der Messerschmitt ME 262  die Wende im Luftkrieg gegen die Alliierten. Die Menschen arbeiteten unter unwürdigen Bedingungen. Das vorliegende Sachbuch zeigt die Geschichte des Werkes auf, die Entstehungs- sowie Arbeitsbedingungen, bis hin zur Einnahme durch die alliierte Besatzung.

Meinung

In der Regel fahre ich vier Mal in der Woche am Walpersberg vorbei. Ich sehe die hohen Bäume auf dem Berg, den Weg, der sich hinauf schlängelt . Hätte ich nicht als Kind meine Eltern auf eine Führung über den Berg begleitet, wüsste ich nicht, was sich dort befindet. Denn einst sollte dort der Luftkrieg entscheidend mitbestimmt werden. Die Nazis errichteten in den bereits vorhandenen Stollen ein Untertage-Werk mit dem Decknamen Lachs. Schon als Kind war ich fasziniert von den noch stehenden Trümmern, den letzten materiellen Zeugen dieses Werkes. Hinein darf man leider nicht. Zum Schutze einiger Fledermäuse. Doch nicht näher zu nennende Bekannte kennen bzw. kannten natürlich trotzdem einen Weg hinein. Und auch wenn ich nie mit hinab gestiegen bin, habe ich viele, viele Fotos gesehen und meine Neugierde auf das, was da unter den Gesteinsschichten einst war, wurde immer größer.

In diesem Buch vom zugehörigen Verein wird alles sehr gut beschrieben und der Leser erhält einen sehr guten Überblick über die Nutzung des Walpersberges. Reich an Zeitzeugenberichten und Bildern, wird das ganze Ausmaß der menschenunwürdigen Produktion fast greifbar. Für Interessierte an Kriegsproduktion, Drittem Reich und Nationalsozialismus ist das schmale Buch absolut zu empfehlen. Und auch für heimatgeschichtlich Interessierte aus dem Gebiet Thüringen ist dieses Buch ein wahrer Schatz.

 

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Wolfgang Herrndorf: In Plüschgewittern

In Plüschgewittern
von Wolfgang Herrndorf

Rowohlt Verlag; 192 Seiten
Gegenwartsliteratur

Handlung

Ein Mann, um die dreißig, sucht sein Glück in Berlin. Doch dort findet er nur all zu Melancholisches: Altbau-Partys, Arbeitslosigkeit, Verzweiflung, Gleichgültigkeit. Er verliebt sich, aber auch Verliebtsein kann zur Last werden. Zynisch kommentiert der Erzähler den grauen Großstadt-Alltag, denn er zumeist nur betrunken durchstehen kann.

Meinung

Von Wolfgang Herrndorf gibt es zu wenig. Viel zu früh gestorben, hinterlässt er der Leserschaft  eine überschaubare Anzahl an Werken. Ich habe zum ersten Mal an der Universität von diesem Autor gehört. Auf die Empfehlung einer Kommilitonin hin, las ich „Bilder deiner großen Liebe“, hangelte mich weiter zu Tschick, las Sand, litt mit ihm in Arbeit und Struktur und so weiter. Herrndorf ist ein Autor, der mit wenigen Mitteln seinen Leser gefangen hält. Sein linearer Erzählstil wirkt auf den ersten Blick durchaus einfach und schnörkellos, fast schon langweilig. Aber er erzählt mit einem amüsanten Zynismus und trifft den Nagel immer wieder auf den Kopf. In seinen Texten schwingt stets eine gute Mischung aus Humor und Melancholie mit. Nach dem Beenden eines Herrndorf-Romans ist man immer ein bisschen traurig und steht einem Nichts gegenüber, auch wenn man während des Romans herzlich hat lachen dürfen. Eine grandiose Mischung.

So auch bei „In Plüschgewittern“. Der Protagonist, dessen Name nicht fällt, tingelt nach einer Trennung nach Hamburg in das Haus seines Bruders, von dort weiter nach Berlin zu seinem schwulen besten Freund. Er trifft auf echte Großstadt-Unikate, treibt sich auf Partys herum und zu seinem Unglück verliebt er sich. Schonungslos zeigt Herrndorf den Alltag einer kalten Welt auf, in der alles irgendwie egal sein kann. Den Leser befällt  bei der Lektüre eine gewisse Schwermut, bekommt man doch relativ unverhohlen vor die Nase gesetzt, was man eigentlich nicht zwingend wahrhaben will.

Wer einen Spannungsbogen sucht, ist bei Herrndorf eher schlecht beraten. Dieser Roman hat es nicht zum Ziel, Spannung aufzubauen oder den Leser durch Thrill zu packen. Viel eher zeigt er das Panorama eines heimatlosen Mannes auf. Zeigt, wie das Leben manchmal spielt. Dass man es eben doch mit Antihelden zu tun hat, jedoch weder schwarz noch weiß. Ein wenig wirr, ein wenig eigen, ganz viel Realität – In Plüschgewittern ist als Debüt des Autors ein Meisterstück. Für jene, die an deutscher Gegenwartsliteratur interessiert sind, ein absolutes Muss.

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