Hans Noll: Der Abschied. Journal meiner Ausreise aus der DDR.

Hans Noll: Der Abschied

Der Abschied.
Journal meiner Ausreise aus der DDR.

von Hans Noll
Hoffmann und Campe
268 Seiten
Biografie; Politik & Geschichte

 

Meine Bachelor-Arbeit schrieb ich über Jugendliteratur der DDR, die den Nationalsozialismus instrumentalisiert um Kinder auf sozialistischen Kurs zu bringen. Einer der damals behandelten Autoren war Dieter Noll. Einige Jahre später begegnet mir der Name Noll im Rahmen der Universität erneut. Diesmal jedoch Hans Noll, Dieter Nolls Sohn. Im Rahmen des Seminars „Jüdische Autoren nach dem Holocaust“  gehörte „Der Abschied. Journal meiner Ausreise aus der DDR“ zur Lektüreliste. Einige Wochen zu spät für den Kurs, bin ich nun durch mit dem gerade einmal 268 Seiten starken autobiografischen Werk. Der Autor, Hans Noll, heißt mittlerweile Chaim Noll und lebt in Israel. In diesem Buch jedoch beschreibt der Sohn des großen DDR-Autors seine Ausreise aus der DDR in den Westen des Landes. In abwechselnd langen und kurzen Tagebucheinträgen beschreibt er die Schwierigkeiten und Umstände der Ausreise seiner Familie. Die Einträge sind teils nüchterne Erzählungen des Ausreise-Wahnsinns. Teilweise jedoch sind sie philosophisch-nachdenklich und reflektieren den Irrsinn, der in der DDR herrscht und was dahinter steht.

Der Punkt war erreicht, wo weiteres Nachdenken die Grundlage des Systems in Frage stellte. Wenn man die Augen offenhielt, war alles klar. Doch es blieb noch ein Ausweg: die  Augen zu verschließen.

Ich gehöre der ersten Generation „gesamtdeutscher“ Kinder an, ein sogenanntes Wendekind. Ich wurde 1991 geboren. Meine Eltern, meine Großeltern, meine gesamte Familie wuchs in einem anderen Land auf, als ich. Auch wenn sie ihren Wohnort nie wechselten. Und wie das eben so ist, streifen die Eltern bei der Erziehung des Kindes ihre eigene Sozialisation nicht ab. Ich begreife mich daher nicht  zwingend als Bürger der BRD. Ich sehe Deutschland nicht als Ganzes, auch wenn man mir das vielleicht negativ auslegen möchte. Dass leider immer noch eine unsichtbare Grenze durch Deutschland geht, zeigen allein die Löhne. Nur zum besseren Verständnis für jene, die sich damit noch nicht beschäftigten: Ein Krankenpfleger verdient in Ostdeutschland um die 2800 Euro, sein Kollege im Westen bekommt 3200. Der Berufskraftfahrer in Ostdeutschland verdient mit 1800 Euro deutlich weniger, als ein westdeutscher Kraftfahrer mit 2400 Euro. Die Kluft ist da, auch wenn man nach so vielen Jahren nicht mehr daran glaubt.

Die DDR wirft Schatten. Die DDR selbst war ein Schatten. Noll zeigt das in seinem autobiografischen Werk deutlich auf. Die Willkür, mit der man behandelt wird. Das Wegducken, um nur ja den Antrag nicht zu gefährden. Die unnötigen Formulare und Wege, die es zu gehen gilt. Nur um die Auswanderer zu gängeln. Die vielen Warnungen, die unnötige Angst, die geschürt wird. Wir, die wir in einem freien Land leben, können uns das gar nicht mehr vorstellen.  Hans Noll bietet dem Leser einen sehr persönlichen Einblick in den nervenaufreibenden Prozess der Auswanderung aus der DDR. Sehr angenehm zu lesen und für geschichtlich Interessierte ein sehr empfehlenswertes Buch.

 

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John Green: Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Das Schicksal ist ein mieser Verräter
von John Green
288 Seiten
Carl Hanser Verlag

Inhalt

Die 16-jährige Hazel hat Krebs, unheilbar. Sie sieht sich selbst als Bombe, die alle um sich herum mit ins Verderben ziehen wird wenn sie stirbt. Nur widerwillig nimmt sie an einer Selbsthilfegruppe für krebskranke Kinder teil. Dort lernt sie Gus kennen. Augustus geht weitaus offensiver mit seiner Krankheit um, die er vor einem Jahr mit der Amputation seines Beines besiegte. Er ist es auch, der Hazel ihren großen Wunsch erfüllt: gemeinsam fliegen sie nach Amsterdam und besuchen Hazels Lieblingsautor. Doch die Bombe tickt.

Meinung

Ein „Krebs-Buch“. Ehrlich gesagt das letzte, was ich gebrauchen kann. Diese Krankheit geht mir sehr nahe, da ich – wenn auch nur als Angehörige – direkt betroffen bin; mehrfach. Krebs ist ein ganz mieses Arschlich. Und deswegen habe ich mich auch lange gescheut, dieses Buch zu lesen. Ich hatte Angst, dass es mich triggern  und bei mir ein Tief auslösen würde. John Green schreibt jedoch so aufmunternd, lustig und tröstlich, dass ich mit einem sehr positiven Gefühl aus der Lektüre heraus gehe. Die Geschichte ist wahnsinnig traurig, natürlich. Aber dem Autor ist es mit seinem angenehmen Erzähl- und Schreibstil gelungen, etwas sehr Positives aus diesem so schwierigen Thema zu machen. Ein wirklich unfassbar gelungenes Buch, dass ich so auch uneingeschränkt weiter empfehlen kann. Auch wenn ich Hypes um Bücher nicht mag, dieser war bzw. ist nicht ganz unberechtigt.

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Gleichmann, Markus & Bock, Karl: Düsenjäger über dem Walpersberg

Düsenjäger über dem Walpersberg
von Markus Gleichmann und Karl-Heinz Bock
176 Seiten
Heinrich-Jung-Verlagsgesellschaft mbH

Inhalt

Die REIMAHG war ein unterirdisches Flugzeugwerk in Thüringen und wurde von Zwangsarbeitern, HJ und vielen anderen in die Stollen des Walpersberges gebaut. Die Regierung des Dritten Reichs erhoffte sich durch die Produktion der Messerschmitt ME 262  die Wende im Luftkrieg gegen die Alliierten. Die Menschen arbeiteten unter unwürdigen Bedingungen. Das vorliegende Sachbuch zeigt die Geschichte des Werkes auf, die Entstehungs- sowie Arbeitsbedingungen, bis hin zur Einnahme durch die alliierte Besatzung.

Meinung

In der Regel fahre ich vier Mal in der Woche am Walpersberg vorbei. Ich sehe die hohen Bäume auf dem Berg, den Weg, der sich hinauf schlängelt . Hätte ich nicht als Kind meine Eltern auf eine Führung über den Berg begleitet, wüsste ich nicht, was sich dort befindet. Denn einst sollte dort der Luftkrieg entscheidend mitbestimmt werden. Die Nazis errichteten in den bereits vorhandenen Stollen ein Untertage-Werk mit dem Decknamen Lachs. Schon als Kind war ich fasziniert von den noch stehenden Trümmern, den letzten materiellen Zeugen dieses Werkes. Hinein darf man leider nicht. Zum Schutze einiger Fledermäuse. Doch nicht näher zu nennende Bekannte kennen bzw. kannten natürlich trotzdem einen Weg hinein. Und auch wenn ich nie mit hinab gestiegen bin, habe ich viele, viele Fotos gesehen und meine Neugierde auf das, was da unter den Gesteinsschichten einst war, wurde immer größer.

In diesem Buch vom zugehörigen Verein wird alles sehr gut beschrieben und der Leser erhält einen sehr guten Überblick über die Nutzung des Walpersberges. Reich an Zeitzeugenberichten und Bildern, wird das ganze Ausmaß der menschenunwürdigen Produktion fast greifbar. Für Interessierte an Kriegsproduktion, Drittem Reich und Nationalsozialismus ist das schmale Buch absolut zu empfehlen. Und auch für heimatgeschichtlich Interessierte aus dem Gebiet Thüringen ist dieses Buch ein wahrer Schatz.

 

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