Gemeinsam Lesen 22/17

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese  „Black Dagger: Racheengel“ von J.R. Ward. Ich bin auf Seite 81.

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„Sie log, dachte Rehv.“

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

Eigentlich verschlinge ich ja die BD Bänder, daher war es nahezu merkwürdig, dass so viel Zeit ins Land ging, ehe ich mit Racheengel nun die Reihe fort setze. Und siehe da: gleich hat sich’s gerächt. Ich musste bei ebenfalls BD-süchtigen Freunden erst einmal nachfragen, was denn „bisher geschah“. Ich hatte es nämlich glatt verdrängt und vergessen. Nun bin ich aber wieder voll im Geschehen drin und liebe es einmal mehr!

4. Welche typischen Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen wahren „Book Nerd“ aus?

Als ich die Frage gelesen haben, schossen mir sofort ganz viele Dinge durch den Kopf, die ich aus den typischen Buchgruppen kenne: Buch-Nerds werden verrückt bei Eselsohren, hüten Bücher wie Schätze, kaufen sich oft neue Bücher, horten Berge an SUBs, lesen nicht in der Badewanne, &&&

Und dann dachte ich mir: Na aber wenn das so ist, bist du keiner. Nun würde ich mich aber durchaus als Buchnerd bezeichnen, da ich seit fast 26 Jahren immer ein Buch mit mir herum schleppe und in jeder Minute, die ich nicht anders füllen muss oder kann, lese. Ich studiere Germanistik, angetrieben durch meine Liebe zu Büchern. ABER! Ich benutze Bücher als Gebrauchsgegenstände, ärgere mich nicht über Flecken, Leserillen und Eselsohren. Ich markiere in Büchern. Ich mache Knicke in die Seiten, wenn kein Lesezeichen in der Nähe ist. Ich kaufe keine Bücher, weil es für mich Geldverschwendung wäre. Wozu hat man Bibliotheken? Ich habe zwar einen sehr hohen SUB, aber die Bücher dürfen bei mir alle mit in die Badewanne. Und mir ist in 25 Jahren kein einziges Buch ins Wasser gefallen!

Bin ich deswegen kein Buchnerd? Weil ich nicht in die typische Buchnerdhülle passe? Ich persönlich finde das Verhalten vieler Bücherliebhaber in den Facebook Gruppen übertrieben und meide diese Gruppen mittlerweile, weil mir das extreme Verhalten auf den Zeiger geht. Ich akzeptiere andere Meinungen. Aber mir meine Bücherliebe absprechen lassen, nur weil ich keine 200 Euro pro Monat für Bücher ausgebe? Nix da, meine Damen und Herren Bücherwürmer.

Also. Nach diesem kurzen Ausraster zurück zur Frage: was sind die typischen Eigenschaften? Dass er Bücher liebt. Das und nur das allein macht einen Buchnerd für mich aus.

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Montagsfrage 26/17

Welche Erfahrungen habt ihr mit Gay Romance gemacht? Was reizt euch daran, was stößt euch ab? Habt ihr Lesetipps?

Zu meiner großen Schande muss ich gestehen, dass ich Gay Romance umgehe, wo es nur geht. Als Landei war ich nie wirklich mit ( der öffentlichen Auslebung von) Homosexualität konfrontiert. Erst spät, mit etwa 18, outete sich ein damaliger Bekannter, was natürlich nichts an meiner Sympathie für ihn veränderte. Dennoch war es auch befremdlich, da er es in die Welt hinaus schreien wollte und dementsprechend oft genug aus dem Nähkästchen plauderte, wie genau er es denn so mit seinem Freund treibt. Nix, was ich hören möchte. Ganz gleich, ob hetero- oder homosexuelles Paar. Da bin ich insgesamt eher „prüde“. Ich finde zu öffentlich ausgelebte Liebe immer etwas befremdlich. Ich bin da eher der zurückhaltende Typ Mensch.

Nun. Auch unser Gärtner ist schwul und ihm sieht man es auch auf einen Kilometer an, ihn mag ich sehr gern. Trotzdem. Ich greife bewusst zu keinen Gay Romance Büchern, denn darüber lesen möchte ich nicht. (Bitte steinigt mich nicht :D) Ich habe nichts dagegen, wenn es am Rande vorkommt. Wie zum Beispiel bei den Black-Dagger-Büchern. Aber ein Buch, welches Homosexualität in den Mittelpunkt stellt, würde ich persönlich nicht lesen. Schande über mein konservativ geprägtes Haupt!

 

 

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Amazon Prime Reading – Was ist dran?

Bei dem Wörtchen „Amazon“ sträuben sich bei mir ein bisschen die Haare und ich spüre so ein zwiespältiges Gefühl. Wenn ich durch mein kleines Städtchen gehe, sehe ich immer häufiger leer stehende Gebäude. Die lokalen Händler geben sich geschlagen und kapitulieren vor der Übermacht der Online-Händler und Ketten.  Geht man durch die größeren Städte, schlägt einem der Ketten-Einheitsbrei entgegen: Thalia, Pimkie, New Yorker, und wie sie alle heißen. Deswegen blutet mir ehrlich gesagt immer wieder ein bisschen das Herz, wenn  ein kleiner, sich  seit vielen Jahrzehnten in Familienbesitz befindender Laden schließt. Vielleicht bin ich altmodisch. Fakt ist aber, dass ich daher Amazon (und auch andere Ketten) so gut es geht umgehe. Ich kaufe bewusst in kleinen Läden. Trotzdem bin ich Nutzer von Amazon Prime. Das Prime-Video-Angebot ist für mich als Serienjunkie einfach zu verlockend. Und nun wurde Amazon Prime ein weiterer Dienst hinzugefügt: Amazon Prime Reading.

Amazon Prime Reading

Amazon Prime Reading – Was ist das?

In Amazon Prime steckt mittlerweile viel mehr, als nur kostenloser und rascher Versand. Als Nutzer greift man auf ein gut aufgestelltes Streaming-Angebot an Serien und Musik zurück. Und das alles für 69 € (oder günstiger mit Studentenrabatt) im Jahr. Das ist – zugegeben – eine klasse Leistung. Und nun also auch noch Amazon Prime Reading. Hiermit erhalten Nutzer von Prime Zugriff auf viele Bücher, Comics und Zeitschriften – ganz einfach kostenlos. Gelesen werden können die eBooks auf einem Kindle-Reader oder auf einem mobilen Gerät mit entsprechender Kindle-App.

Das Angebot

Ich habe noch nie gelesen, was die Menschen aktuell bewegt. Daher ist mir leider unbekannt, welche Autoren gerade in sind. Demzufolge kann ich nicht mit Sicherheit sagen, wie gut Amazon Prime Reading in diesem Bereich aufgestellt ist. Mein Bauchgefühl sagt: da geht noch mehr. Dafür habe ich einige – für mich – Hochkaräter gefunden: Harry Potter, Juli Zeh, Richard Castle. Das Sortiment ist momentan noch beschaulich, aber mit Sicherheit ist für jeden etwas dabei. Die wirklichen Größen findet man aber natürlich (noch) nicht, Amazon will schließlich auch noch ein bisschen verdienen.

Handhabung

Die Handhabung ist kinderleicht. Mit nur einem Klick landet das Buch in der von mir genutzten Kindle-App für das iPad. Die App selbst ist okay, auch wenn ich von der Kobo-App ein bisschen verwöhnt bin. Diese spricht mich optisch und von den Funktionen her einfach etwas mehr an. Die Bücher lassen sich aber dennoch sehr angenehm lesen und besonders eine Funktion gefällt mir besonders gut: häufig markierte Textstellen. Da ich auch einige Bücher für die Universität in der Kindle-App lese, ist es immer spannend, welche Stellen andere Leser interessant oder wichtig fanden.

Fazit

Mit Amazon Prime Reading schürt der Konzern meine Hassliebe nur weiter. Ich bin dankbar für das Angebot und werde es nutzen, auch wenn ich lieber die Hände vom Versandhandelriesen lassen würde. Ich hoffe, dass bald noch weitere Bücher dem Sortiment hinzugefügt werden. Aktuell sind es nur einige Bücher, die wirkliches Interesse bei mir wecken.

 

Was denkt ihr? Amazon Prime Reading – eine gute Idee? Habt ihr’s schon ausprobiert? 

 

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Gemeinsam Lesen 20/17

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du? 

Ich lese „Chroniken der Unterwelt: City Of Bones“ von Cassandra Clare und bin auf Seite 130.

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite? 

Jace legte das Chakram vorsichtig beiseite.

3. Was willst du unbedingt zu deinem aktuellen Buch loswerden? 

Da gibt es, um ehrlich zu sein, nicht viel, was ich loswerden möchte 😀 Es handelt sich um einen ReRead, zumal ich die Serie ebenfalls kenne. Daher kenne ich natürlich auch die Story und alles drum und dran bereits. Ich wollte mir nur noch einmal alles in Erinnerung rufen und dann die komplette Reihe endlich mal weiter lesen.

4. Buchblogger-Elite. Gibt es sowas? Zählst du dich dazu, bzw. wie stehst du dazu? 

Uff. Okay. Die Frage hat es irgendwie in sich. Also an sich… gibt es sowas? Vielleicht. Das kommt darauf an, wie man Elite definiert. Ich denke schon, dass es einige Blogs gibt, die etablierter sind und die wohl die meisten Leute aus der „Szene“ einfach kennen. Diese Blogs würde ich aber nicht als Elite bezeichnen. Elite hat in dem Moment einen bisschen faden Beigeschmack, der die anderen Blogs herabwürdigt. Und das fände ich falsch. Es gibt bekannte Blogs und weniger bekannte Blogs. Aber alle werden mit Herzblut geführt, die Blogger strengen sich an und wollen ihren Lesern einen tollen Blog bieten. Ich wehre mich daher ein bisschen gegen den Begriff „Blogger-Elite“. Lieber wäre mir die Einteilung in: bekannte und unbekanntere Blogs. Und selbst wenn es eine solche Elite gäbe, dazu zählen würde ich mich nicht.

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Montagsfrage 21/17

Gibt es manchmal Bücher, bei denen du zögerst sie zu lesen, obwohl du sie eigentlich unbedingt lesen willst?

Ich denke schon, dass es Bücher gibt, bei denen ich zögere obwohl ich sie eigentlich unbedingt lesen möchte. Das hat verschiedene Gründe. Bei manchen Büchern ist es sicher einfach die Angst, enttäuscht zu werden. Bücher, die mir viel bedeuten, weil sie zum Beispiel vom Lieblinsautor stammen oder ein Geschenk waren oder jemandem, der mir nahe steht und mir das Buch empfohlen hat, sehr wichtig ist. Andererseits gibt es auch Bücher, wo ich zögere, weil ich nicht recht weiß, ob ich mit den Büchern „klar komme“. Das war bei „Das Schicksal ist ein mieser Verräter “ so. Ich wollte dieses Buch lesen, unbedingt. Aber da ich bereits im realen Leben zu viel Krebs um mich habe, wollte ich nicht noch ein Buch lesen, wo die wahre Liebe durch den Krebs bereits im Teenageralter zerstört wird. Im Endeffekt überwinde ich mich dann meist. Es gibt aber auch Bücher, die schon lange deswegen auf dem SUB liegen.

 

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Kathy Reichs: Tote lügen nicht

Tote lügen nicht
von Kathy Reichs
544 Seiten
Blanvalet

Inhalt

Temperance Brennan ist forensische Anthropologin und arbeitet in der Gerichtsmedizin von Montreal. Es landen häufig Leichen, die übel zugerichtet sind, auf ihrem Tisch. Doch mit dem Tod der jungen Isabelle Gagnon kommt Tempe einem Serienmörder auf die Spur, der die Frauen grausam zurichtet und ermordet. Doch bald schon wird der Fall persönlich, denn der gehetzte Killer nimmt nun auch Temperance und ihre Liebsten ins Visier.

Meinung

„Tote lügen nicht“ von Kathy Reichs habe ich von meinem Schwiegerpapa empfohlen bekommen. Es ist der erste Band der Reihe und war mein zweiter „Bones“-Roman. Während der erste, den ich las, von einem Fremdautor basierend auf der Serie geschrieben wurde, ist dies nun mein erster von der richtigen Kathy Reichs. Und das war nun auch ein Unterschied wie Tag und Nacht. Natürlich unterscheidet sich erst einmal das Setting. Temperance lebt in Montreal, ist deutlich älter als die „Serien-Tempe“ und auch ihr Charakter ist ein wenig anders, wenn auch in den Grundzügen gleich. Der Roman war von der ersten Seite an super spannend und bestach vor allem dadurch, dass die Autorin, selbst forensische Anthropologin, deutlich ihre fachliche Kompetenz einfließen lies. Der Roman erhält dadurch natürlich eine ganz andere Authentizität und das spürt man auch. Die vielen Fachbegriffen können einen teilweise, wenn man nicht recht gewillt ist sich darauf ein zu lassen, ein bisschen erschlagen. Für mich jedoch, wissenschaftlich interessiert und auch mit zwei Semestern Biologiestudium auf dem Buckel, war das eine herrliche Abwechslung.

Insgesamt ein durch und durch empfehlenswerter Krimi mit einer Protagonistin, die nicht wie jeder 0-8-15 Charakter daher kommt.

 

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Gemeinsam Lesen 18/17

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ von John Green. Ich bin auf Seite 71.

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

Beinahe hatte ich das Gefühl, er war bei mir im Zimmer, aber eigentlich war es noch besser, als wäre ich selber nicht in meinem Zimmer und er nicht in seinem, sondern wir wären beide in einem flüchtigen, unsichtbaren dritten Raum, der nur über das Telefon besucht werden konnte.

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

Ich habe lange und sehr mit mir gehadert, ob ich dieses Buch wirklich lesen soll. Was Krebs angeht, bin ich ein gebranntes Kind. Ein naher Familienangehöriger ist verstorben, ein anderer hat es zum Glück überlebt und zwei weitere Fälle in der entfernteren Verwandtschaft. Auf mich wirkt Krebs immer ein bisschen, wie ein rotes Tuch. Ein Trigger, damit es mir schlecht geht. Dennoch wollte ich nun einmal dieses Buch lesen und bin bis jetzt sehr positiv von dem tollen Erzählstil überrascht. Ich habe jedoch große Angst vor dem Ende, das ich zum Glück so bereits kenne, aber eigentlich nicht unbedingt als Leser „durchleben“ möchte.

4. Bist du Abonnent einer Buch-Box? Was fasziniert dich daran und lohnt es sich am Ende?  

Von Buchboxen hab ich so noch nie gehört. Ich wusste bis gerade eben nicht, dass es sie gibt 😀 Allerdings bin ich Abonnent einer Beauty-Box und damit bin ich sehr zufrieden. Ich mag es, jeden Monat aufs neue ein bisschen überrascht zu werden.

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Montagsfrage 20/17

Gibt es ein Buch, das du schon so oft gelesen hast, dass du nicht mehr weißt wie oft genau?

Jap, so ein Buch, bzw. so eine Reihe gibt es:  Die Guild Hunter Reihe von Nalini Singh. Die habe ich jedes Mal, wenn es einen neuen Band gab, von vorn begonnen und dadurch hab ich den ersten Teil sicher schon an die fünf oder sechs oder gar noch mehr Male gelesen. Und ich habe durchaus vor, das ganze nochmal von vorn zu lesen 😀 Nämlich, wenn ich endlich aufhole, was ich noch nicht gelesen habe von der Reihe.

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Jack London: Ruf der Wildnis

Ruf der Wildnis
Jack London
Anaconda Verlag
128 Seiten
Klassiker

Klappentext

Amerika zur Zeit des großen Goldrauchs: Der Mischlingsrüde Buck führt auf dem kalifornischen Anwesen des Richters Miller als Haus- und Hofhund ein ruhiges und beschauliches Leben. Doch als er von einem verzweifelten Angestellten seines Herrn entführt und nach Alaska verschleppt wird, beginnt für ihn eine grausame Leidenszeit. Unter harten Bedingungen wird er zum Schlittenhund abgerichtet und muss sich fortan gegen skurpellose Besitzer und andere Hunde behaupten. Jack Londons mitreißend erzählter Roman „Ruf der Wildnis“ (1903) ist mehr als nur eine Tiergeschichte – mit seinen eindrucksvollen Naturschilderungen ist er zum Klassiker der amerikanischen Literatur avanciert.

 

Meinung

„Ruf der Wildnis“ gehört zu den Klassikern der Literatur. Ich wurde durch eine Reportage auf ARTE auf den Schriftsteller aufmerksam, dem ich bis dato leider zu wenig Beachtung geschenkt habe. In dieser kurzweiligen Geschichte wird Mischlingsrüde Buck entführt. Im hohen Norden, in Alaska, wird gut für tüchtige Schlittenhunde bezahlt. Ein verzweifelter Angestellter des Herrenhauses stiehlt den Rüden und verkauft ihn. So gelangte Buck in die Eishölle, die er so nicht kannte. Schließlich war er Hund eines Richters in Kalifornien. Doch schnell lernt Buck, sich zu behaupten. Aus dem einstigen  Schoßhund wird ein eiskalt berechnender, instinktgetriebener Rüde.
Packend erzählt London das Schicksal seines vierbeinigen Protagonisten. Der Roman konzentriert sich auf die Darstellung der Handlung, für emotionales Geplänkel bleibt wenig Raum. Man spürt nahezu die eisige Kälte und die Verzweiflung Alaskas im Goldrausch. Und man versteht, wie Buck zu dem werden kann, was er am Ende des Romans ist. Das Leben hat ihm teilweise übel mitgespielt.  Londons Erzählweise ist der nüchterne Stil eines Abenteurers, der seine Geschichte weitergeben möchte. Teilweise wirkt der Roman daher mehr wie ein Bericht, denn ein Roman. Aber gerade das verleiht „Ruf der Wildnis“ einen ganz eigenen Charme.

Für an Klassikern interessierte Leser und jene, die gerne eine Abenteuergeschichte lesen, ist Ruf der Wildnis absolut zu empfehlen.

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Wolfgang Herrndorf: In Plüschgewittern

In Plüschgewittern
von Wolfgang Herrndorf

Rowohlt Verlag; 192 Seiten
Gegenwartsliteratur

Handlung

Ein Mann, um die dreißig, sucht sein Glück in Berlin. Doch dort findet er nur all zu Melancholisches: Altbau-Partys, Arbeitslosigkeit, Verzweiflung, Gleichgültigkeit. Er verliebt sich, aber auch Verliebtsein kann zur Last werden. Zynisch kommentiert der Erzähler den grauen Großstadt-Alltag, denn er zumeist nur betrunken durchstehen kann.

Meinung

Von Wolfgang Herrndorf gibt es zu wenig. Viel zu früh gestorben, hinterlässt er der Leserschaft  eine überschaubare Anzahl an Werken. Ich habe zum ersten Mal an der Universität von diesem Autor gehört. Auf die Empfehlung einer Kommilitonin hin, las ich „Bilder deiner großen Liebe“, hangelte mich weiter zu Tschick, las Sand, litt mit ihm in Arbeit und Struktur und so weiter. Herrndorf ist ein Autor, der mit wenigen Mitteln seinen Leser gefangen hält. Sein linearer Erzählstil wirkt auf den ersten Blick durchaus einfach und schnörkellos, fast schon langweilig. Aber er erzählt mit einem amüsanten Zynismus und trifft den Nagel immer wieder auf den Kopf. In seinen Texten schwingt stets eine gute Mischung aus Humor und Melancholie mit. Nach dem Beenden eines Herrndorf-Romans ist man immer ein bisschen traurig und steht einem Nichts gegenüber, auch wenn man während des Romans herzlich hat lachen dürfen. Eine grandiose Mischung.

So auch bei „In Plüschgewittern“. Der Protagonist, dessen Name nicht fällt, tingelt nach einer Trennung nach Hamburg in das Haus seines Bruders, von dort weiter nach Berlin zu seinem schwulen besten Freund. Er trifft auf echte Großstadt-Unikate, treibt sich auf Partys herum und zu seinem Unglück verliebt er sich. Schonungslos zeigt Herrndorf den Alltag einer kalten Welt auf, in der alles irgendwie egal sein kann. Den Leser befällt  bei der Lektüre eine gewisse Schwermut, bekommt man doch relativ unverhohlen vor die Nase gesetzt, was man eigentlich nicht zwingend wahrhaben will.

Wer einen Spannungsbogen sucht, ist bei Herrndorf eher schlecht beraten. Dieser Roman hat es nicht zum Ziel, Spannung aufzubauen oder den Leser durch Thrill zu packen. Viel eher zeigt er das Panorama eines heimatlosen Mannes auf. Zeigt, wie das Leben manchmal spielt. Dass man es eben doch mit Antihelden zu tun hat, jedoch weder schwarz noch weiß. Ein wenig wirr, ein wenig eigen, ganz viel Realität – In Plüschgewittern ist als Debüt des Autors ein Meisterstück. Für jene, die an deutscher Gegenwartsliteratur interessiert sind, ein absolutes Muss.

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